Ausstellung Kunsthaus Troisdorf

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Das Gitarrenensemble der Musikschule der Stadt Troisdorf bei der Eröffnung der Ausstellung "Landschaft" im Kunsthaus Troisdorf.
Das Gitarrenensemble der Musikschule der Stadt Troisdorf bei der Eröffnung der Ausstellung „Landschaft“ im Kunsthaus Troisdorf.

 

Auch zur Ausstellungseröffnung "Landschaft - Fotografische Positionen" am 12.4.2013, im Kunsthaus Troisdorf konnte Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski wieder zahlreiche interessierte Besucher/innen begrüßen.
Auch zur Ausstellungseröffnung „Landschaft – Fotografische Positionen“ am 12.4.2013, im Kunsthaus Troisdorf konnte Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski wieder zahlreiche interessierte Besucher/innen begrüßen.

Aus der Rede zur Ausstellungseröffnung: (Auszug)

Der Neusser Fotograf Thomas Graics sieht die Welt von oben. Mehrmals im Jahr ist er auf Island und betrachtet die Welt als Pilot aus der Luft. Die Aufnahmen entstanden zwischen 2005 und 2014 und sind gleichzeitig Langzeitstudien und Zeugnisse der Veränderungen eines Landschaftsraums. Island, im europäischen Nordmeer liegend, bietet einen unermesslichen Reichtum an geologischen und topografischen Besonderheiten. Eine karge Insel, bestimmt durch den aktiven Vulkanismus und die Bodenerosion. Vulkane, heiße Quellen, Kies- und Steinwüsten, Sandküsten, unbewohnte Hochflächen. Island ist zu ca. einem Zehntel mit Gletschereis bedeckt, die größten Gletscher Europas. Riesige Schmelzwasserfluten stürzen in die Fjorde und sorgen für eine permanente Veränderung der Landschaft. Graics ist nicht nur Fotograf, sondern auch Maler, der sein Handwerk an der Freien Kunstakademie Essen erlernt hat. Auf den ersten Bild erscheinen seine Luftbilder weniger als Fotografien als vielmehr wie abstrakte Gemälde von eruptiver Farbigkeit. Wir erkennen nicht die topografischen Gegebenheit der Landschaft in Höhen und Tiefen, sondern sind vielmehr gefangen von den Farbflüssen- und Wirbeln ein wenig an die Malerei des Informell erinnernd. Farbwirbel – und Stürme, die sich zu amorphen Gebilden formieren und bei längerer Betrachtung Gestalt annehmen bis hin zum Kerberos, in der griechischen Mythologie jenem Höllenhund, der den Eingang zur Unterwelt bewachte und keinen der Eingetretenen mehr herausließ. Graics Arbeiten oszillieren zwischen der dokumentierenden Spurensicherung und einer poetischen Lichtmalerei, die die Phantasie des Betrachters evoziert.
Flächigkeit steht gegen Dreidimensionalität. Die Aufnahme aus der Luft lässt die topografischen Gegebenheiten in der Fläche einschmelzen, sie als einen abstrakten „Flickenteppich“ erscheinen. Sie selber kennen den Blick aus dem Flugzeug…Diesen tut Thomas Graics mit seiner Kamera ebenso in wagehalsigen Luftkapriolen, denn zur Vermeidung eines schrägen Aufnahmewinkels, lässt er seinen Kopiloten die Maschine in einem Neigungswinkel von bis zu 70 Grad fliegen. Er hängt sich sozusagen aus der Maschine.
Die Flächigkeit der Ebene führt Graics dann in ein quasi dreidimensionales Bild zurück. Durch die Entwicklungstechnik auf Duraclear, einem lichtdurchlässigen Material und die Verschraubung in zwei Glasplatten entsteht ein ähnlicher Effekt wie bei der Diaprojektion auf die Wand, denn die Glasplatten sind nicht Plan auf die Wand gehängt, sondern in einem bestimmten Abstand angebracht. Dadurch wird das quasi Dia auf die Wand projiziert, je nach Lichteinfall durch die Beleuchtung, um einige Millimeter bis cm verschoben, entsteht so an der Wand ein zweites Bild, das wiederum das Originalbild von hinten durchstrahlt. Graics erzielt damit einen quasi 3-D-Effekt im Auge des Betrachters, der nun in die Licht- und Farbenwelt Islands eintaucht.

Dr. Susanne Höper-Kuhn